„Die spezifische Diskurskompetenz des Sachgebietes Geschichte, Wissenschaft, Mathematik, Literatur oder anderer Fachrichtungen“ (Shanahan & Shanahan 2008). Auch sekundäre Diskurskompetenz genannt.
Shanahan, T & Shanahan, C. (2008), „Teaching disciplinary literacy to adolescents: Rethinking content-area literacy“, Harvard Educational Review, Vol. 78/1, S. 40-59.
"Kommunikationsfertigkeit. Der Begriff 'Literalität' bezeichnete ursprünglich, und meistens, schriftliche Kommunikation. Er kann jedoch auch auf andere Formen angewendet werden, wie in medialer oder informatischer Literalität (im deutschsprachigen Raum oft auch als 'Medienkompetenz' bezeichnet, Anm. d. Übers.)."
Department for Children, Schools and Families, The Key Stage 3 Framework for Languages: Glossary: 7 (downloaded 2 November 2009) [Übersetzung ins Deutsche: K.-B. Boeckmann]" "Durch den Auszug aus Street (2001) wird klar, dass Literalität nicht einfach bedeutet, Texte lesen und schreiben zu können. Die folgenden Zitate illustrieren die verschiedenen Bedeutungen von Literalität, wodurch deutlich wird, warum von 'Literalitäten' im Plural zu sprechen ist.
"Literalität ist vor allem etwas, das Menschen tun; es ist eine Aktivität zwischen Denken und Text. Literalität ist nicht bloß in den Köpfen der Menschen als erlernbare Fertigkeit vorhanden und sie ist nicht nur auf Papier, in Form von zu analysierenden Texten. Wie alle menschliche Aktivität, ist Literalität wesentlich sozial und findet in der Interaktion zwischen Menschen statt"" (Barton und Hamilton 1998: 3). [Übersetzung ins Deutsche: K.-B. Boeckmann]
Ihr Aufriss der Funktionen von Literalität als soziale Praxis in sechs Punkten erweitert diese Definition:
"Literalität ist am ehesten als Kombination sozialer Praxen zu verstehen, diese können aus Ereignissen erschlossen werden, die durch schriftliche Texte vermittelt werden;
Es gibt verschiedenen Literalitäten in Verbindung mit verschiedenen Lebenswelten;
Praxen der Literalität sind durch soziale Einrichtungen und Machtverhältnisse gekennzeichnet und einige werden dominanter, sichtbarer und einflussreicher als andere;
Praxen der Literalität sind intentional und eingebettet in breitere soziale Ziele und kulturelle Praxen;
Literalität ist historisch verortet;
Praxen der Literalität ändern sich und werden häufig durch informelle Lern- und Sinnentnahmeprozesse neu erworben"" (Barton and Hamilton 1998: 7).
Barton, D. und Hamilton, M. (1998) Local Literacies: Reading and Writing in One Community. London: Routledge. [Übersetzung ins Deutsche: K.-B. Boeckmann]
Zusätzlich zur sozialen und kulturellen Verankerung von Literalität, wir es noch komplexer, wenn wir den Einfluss neuer Technologien bedenken. In diesem Zusammenhang sprechen wir von ""neuer"" oder ""digitaler"" Literalität.
"Während wir uns von einer industriellen zu einer postindustriellen Informations-Wirtschaft bewegen, in der Print-Literalität zwar nicht obsolet, aber jedenfalls substanziell anders ist, brauchen wir unbedingt breitere Definitionen von Wissen, Literalität und Didaktik, die das Studium von Intertextualität von Illustrationen, Texten, Icons und Artefakten der neuen Informationswirtschaft, der Medien und Populärkultur"" (Luke 1998: 27).
Luke, C. (1998) ‘Pedagogy and Authority: Lessons from Feminist and Cultural Studies, Postmodernism and Feminist Pedagogy’, in D. Buckingham (ed.), Teaching Popular Culture: Beyond Radical Pedagogy. London: UCL Press. [Übersetzung ins Deutsche: K.-B. Boeckmann]
Die obigen Auszüge stammen aus: Mackey, M. (2002) Literacies across media. London: RoutledgeFalmer: 5-6."
"Im Zusammenhang mit Entwicklung wird die Thematik Literalität oft einfach als technische verstanden: dass Menschen gelehrt werden müssen, wie Buchstaben dekodiert werden und dann mit ihrer neuerworbenen Literalität tun können was sie möchten, ein Ansatz den ich als ein 'autonomes' Modell von Literalität bezeichnet habe (...). Das 'autonome' Modell der Literalität basiert auf der Annahme, dass Literalität von selbst – autonom – Effekte auf weitere soziale und kognitive Praktiken haben wird. Das Modell verbirgt jedoch die kulturellen und ideologischen Annahmen, die mit ihm einhergehen und die dann so präsentiert werden können, als seien sie neutral und universell:[neuere] Forschungen (...) kritisieren diese Sicht und gehen davon aus, dass dieser Ansatz in der Praxis einfach westliche Konzepte von Literalität anderen Kulturen aufdrängt. Das alternative, ideologische Modell von Literalität (...) bietet einen kultursensibleren Blick auf Literalitätspraktiken, wie sie von Land zu Land variieren. Dieses Modell geht von anderen Voraussetzungen aus als das autonome Modell — es stellt Literalität als soziale Praxis dar, nicht einfach als technische und neutrale Fertigkeit; dass sie immer in sozial konstruierte epistemologische Prinzipien eingebettet ist. Es geht um Wissen: die Art wie Menschen Lesen und Schreiben angehen sind verwurzelt in Konzepten von Wissen, Identität, Sein. Literalität in diesem Sinne wird immer wieder in Frage gestellt, sowohl in ihren Bedeutungen als auch in ihren Praktiken, daher sind bestimmte Formen von ihr immer 'ideologisch', sie sind immer in einem bestimmten Weltbild verwurzelt und einem Bestreben dieser Sicht von Literalität zu dominieren und andere zu marginalisieren (...). Die Art in der Lehrkräfte bzw. Vermittler/innen und Lernende interagieren ist bereits eine soziale Praxis, die die Art der Literalität die gelernt wird beeinflusst und die Vorstellungen, die die Beteiligten von Literalität haben, besonders neue Lernende und ihre Position im Verhältnis zur Macht. Es ist nicht zutreffend, anzunehmen, dass 'Literalität' neutral 'gegeben' und ihre 'sozialen' Effekte erst nachträglich erlebt werden können.
Street, B. (ed.) (2001) Literacy and development: ethnographic perspectives. London: Routledge, 7-8. [Übersetzung ins Deutsche: K.-B. Boeckmann]"
Begriff auf Englisch:
literacy/literacies
“Communication skill. The term 'literacy' originally, and most often, applied to written communication. However it can also be applied to other forms, as in media literacy, computer literacy.”
Department for Children, Schools and Families, The Key Stage 3 Framework for Languages: Glossary: 7 (downloaded 2 November 2009)
“Multiliteralität ist eine sinngebende soziale und gemeinschaftliche Erfahrung, bei der Schüler mit ihren Mitschülern und erfahreneren Mentoren zusammen arbeiten und von ihnen lernen können. Multiliteralität wird von sozialen und kulturellen Konventionen geprägt, die benutzt und dem jeweiligen Zweck, Modus und Zielgruppe angepasst werden können. Daher ermöglicht es ein Lehrplan der auf Multiliteralität beruht […] den Schülern, verschiedene Textformen und Diskurse in verschiedenen Kontexten, in unterschiedlichen Darstellungsformen und für verschiedene Zwecke und Zielgruppen zu analysieren.” (Goldini 2008: 67, nach Kern 1995, 2000, 2004, 2005)
Goldoni F. (2008), “Designing a foreign language curriculum in postsecondary education drawing from the multiliteracy, functionalist and genre-based approaches”, Vigo International Journal of Applied Linguistics, Vol. 5, S. 63-85.
“Für uns stellt der Begriff pluriliterarischer Ansatz nicht nur das Literalitätskontinuum mit seinen verschiedenen Axen dar, sondern setzt den Akzent auf die in verschiedenen soziokulturellen Kontexten gebräuchlichen Literalitätsformen und auf die Hybridität von Literalitätsformen, die von den neueren Technologien möglich gemacht wird, sowie auf die immer grösser werdende Vernetzung semiotischer Systeme.” (García et al. 2007: 215)
García Ofelia, Bartlett Lesley, Kleifgen JoAnne (2007), “From biliteracy to pluriliteracies”, in Auer P. & Wei Li (eds.), Handbook of multilingualism and multilingual communication, De Gruyter, Berlin, S. 207-228.